Ausstellungstext

 

 

Die vier Künstler:innen Katya Quel Elizarova, Sevina Tzanou und Sonja Yakovleva wenden in ihrer künstlerischen Praxis Techniken wie Scherenschnitt, Floristik und Textildesign an, die von manchen Vertreter:innen des Kunstbetriebes wegen ihrer dekorativen Schönheit zu Unrecht immer noch häufig auf Fleissarbeit oder ein weibliches Handwerk reduziert werden. Auch Diffamierungen wie „Volkskunst“ oder „Frauenkunst“ finden in mancher Augen bei diesen Kunstformen bis heute ihre Anwendung, anstatt den kritischen inhaltlichen Ansatz der Werke selbst zu erforschen. Die Wertung eines künstlerischen Werkes wird sodann ausschließlich auf die Technik reduziert, der Inhalt gerät zur Nebensache. Über eine inhaltliche Untersuchung des ästhetischen Grabens zwischen Schönheit und Hässlichkeit vermitteln die ausgestellten Werke dieser Ausstellung bewusst die Widersprüchlichkeit in der Beurteilung von Kunstwerken. Die Künstler:innen spielen dabei gezielt mit der Wahrnehmung von normativen Idealen des Schönen und lassen die Grenzen zwischen den Wertkategorien verschwimmen.

 

Dem ästhetischen Spannungsfeld des Schönen und Hässlichen haben sich Philosoph:innen, Autor:innen und Kunstkritiker:innen über Jahrhunderte gewidmet, um Definitionen für diese Begriffe festzulegen. Das Hässliche wurde zumeist als ein Gegensatz zum Schönen verstanden, sowie als Disharmonie oder etwas, das die Idealvorstellungen von z.B. Proportion, Symmetrie und Farbgebung verletzt. Heutzutage werden wiederum mitunter ursprünglich als hässlich empfundene Ausdrucksformen und Konzepte für eigene Definitionen des Schönen übernommen, um die klassischen Auslegungen bewusst auszudehnen und zu erweitern. Zugleich unterliegen aktuelle Schönheitsideale in einer konsumorientierten Welt Dynamiken, die nicht nur das ästhetische Verständnis, sondern auch die Haltbarkeit dieser Kategorien mitbestimmen. Die Verfügbarkeit sowie die Austauschbarkeit hochstilisierter, digital nachbearbeiteter und oftmals sexuell aufgeladener Bilder, die im Internet in hoher Frequenz kursieren, heben die Kategorien des Ästhetischen auf.

 

Die Künstlerin Katya Quel Elizarova übersetzt die Ästhetik des Digitalen ins Analoge und greift zugleich die Flüchtigkeit der Konsumgesellschaft auf. Elizarova entwickelt Mixed Media Rauminstallationen und Skulpturen, die gefundene und approprierte Objekte über ihren eigenen künstlerischen Ausdruck neu definieren. Ein Wesenszug ihrer Praxis kommt aus dem Graffiti, das sich in raumgreifenden Formen und Gesten wiederfindet. Dabei verbindet sie Elemente des schlechten Geschmacks mit der Symbolik fantastischer Welten. Ihre Kunstwerke bewegen sich an der Grenze von Kitsch und vermitteln dadurch eine gewisse Ironie gegenüber konventionellen Kunstformen.

 

Sevina Tzanou beschäftigt sich mit dem Begriff der Weiblichkeit als ein sozial geprägtes, performatives Modell von Geschlecht. Ihre Ölmalereien spielen mit der grotesken Darstellung menschlicher Körper sowie mit der Überhöhung weiblicher Attribute. Durch die bewusste Ausstellung und Bestätigung von Klischees wie extrem langen Fingernägeln, High Heels und tiefe Ausschnitte werden die Betrachter:innen verleitet, Frauen zu erkennen. Über einen üppigen Farbauftrag wirken die Szenerien affektiert und skurril. Tzanou befreit sich so von gesellschaftlich geprägten Komplexen und erobert die Theatralik im Ausdruck von Weiblichkeit zurück.

Die Arbeiten von Sonja Yakovleva brechen mit der europäischen Tradition in der Darstellung von Nacktheit menschlicher Körper. Dabei stellt Yakovleva die typische Wahrnehmung von Erotik und Geschlechterrollen in Frage. Die Scherenschnitte zeigen ungenierte Posen von Körpern in Interaktion sowie in der Selbstdarstellung, die ihre Sexualität frei zum Ausdruck bringen und sich nicht scheuen, ihre körperliche Attraktivität zu betonen. Dadurch werden die Perspektiven umgedreht. Yakovleva verwendet humorvoll Motive aus der Welt der sozialen Medien und der Pornografie.

 

Kuratiert von Olga Inozemtceva-Appel

 

 

Die Ausstellung ist durch das Frauenreferat Frankfurt und die Hessische Kulturstiftung gefördert.
Einige Arbeiten von Sevina Tzanou entstanden im Rahmen der Projektförderung 20/21 NEUSTART KULTUR, Stiftung Kunstfonds.

Dora Ostrovsky Art Hub successfully participated in the The Others Art Fair in Turin, Italy
4-7 November 2021  

 

   

Neue Ausstellung im April 2021!

 

In einer Verwebung des Dokumentarischen mit dem Assoziativen entsteht ein mehrschichtiges Gebilde, einer Erinnerung gleich. Mensch und Natur sind aufs Engste miteinander verbunden, Klänge, Wörter, Farbe und Bilder sind ineinandergreifende Elemente.

 

Natalia Bougai, aufgewachsen in Russland und der Ukraine, lebt und arbeitet in Deutschland. Nach dem Studium der Geschichte, der Literatur und der bildenden Kunst in Russland, Spanien und Deutschland ist sie Meisterschülerin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

!!! Exhibition VERTIGO TIME prolonged till January 5. !!!

 

VERTIGO TIME

 

Boris Mikhailov
Alina Kleytman
Sasha Kurmaz
Vlada Ralko
Mykola Ridnyi

 

What is the influence of the socially engaged photography of Boris Mikhailov to next generations of artists in Ukraine?

The exhibition presents recent works of Ukrainian artists who use different mediums in their practice:

from photography and moving images to drawings and objects.

The context of turbulent years which has seen the country get shaken by the war in the Donbas region,

recession and the invincible corruption in power are all used to form the narrative of this project.

At the same time, it raises the common and painful questions for Europe: is there a place for truth in a situation of global

right-wing populism and will there ever be a place for peace in a situation of rising hatred?